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25 Sänger aus vier Männergesangvereinen der Region haben am Sonntag die Idylle nahe der Rhumequelle mit ihrem Gesang aufgewertet.

Schwarze Hose, weißes Hemd und eventuell auch ein Sakko: Gut gekleidet waren die 25 Sänger der Chorgemeinschaft aus den Vereinen Constantia Harmonie Herzberg, dem Männergesangverein Barbis von 1859, Concordia Pöhlde von 1867 sowie Cäcilia Rüdershausen. Gemeinsam gaben sie ihr erstes Konzert nach den Corona-Einschränkungen, und das gleich in spektakulärer Umgebung – nahe der Rhumequelle.

„Ich liebte einst ein Mädchen“, „Pferde zu vieren traben“, „Ein schöner Tag“ oder auch „Harz Heimat“ gehören zum Repertoire der Sänger, zu dem neben traditionellem Liedgut auch Schlager, Seemanns- und Kirchenlieder gehören. Am Sonntag gaben sie einen Einblick in ihr Können, auch das bekannte „Hallelujah“ von Leonard Cohen war dabei – auf deutsch. Eingeübt wird derzeit auch Flotteres, wie Gerhard Walter sich ausdrückt. Dazu gehören Songs wie „Es geht mir gut“ von Westernhagen oder auch „Tage wie diese“ von den Toten Hosen.

„Begnadete Chorleiterin“

Seit März 2020 durften Gesangvereine in Räumen nicht mehr singen. Der erste Übungsabend konnte dann Mitte Juli diesen Jahres stattfinden. Während die Rüdershäuser in der Mehrzweckhalle proben, werden in Pöhlde von Anfang August an im Vereinslokal „Zum Bahnhof“ donnerstags von 19 bis 21 Uhr regelmäßig die Stimmen trainiert. Soweit das Wetter es zulässt, singen die Männer dann draußen unter dem Dach, sonst – wie gewohnt – im großen Saal, aber jeweils nur zwei Stimmen. Die anderen Sänger verbleiben im Vorraum oder draußen. Die Sänger, die vierstimmig grundsätzlich a cappella singen, werden von der Chorleiterin gelegentlich auf dem Keyboard begleitet. Diese heißt Jana Getz, und ist, so Gerhard Walter, „eine begnadete Chorleiterin“. Den Sängern war die Freude anzusehen und anzuhören, nach langer Zeit wieder vor Publikum auftreten zu können.

Walter, Vereinsvorsitzender des Pöhlder Vereins sowie Schriftführer in Rüdershausen, weiß um die Situation seiner Kunst. „Gesangsvereine, das ist eine von den Sparten, die über die vergangenen Monate am schlimmsten gebeutelt worden sind“. Insbesondere die Diskussion um Aerosole, die beim Singen freigesetzt werden, hat der Sangeskultur schwer zugesetzt. „1,5 Jahre, da ist die Gefahr groß, dass viele mit dem Singen im Verein aufhören“, sagt der ehemalige Kriminalbeamte und Bürgermeister von Herzberg, der nach seiner beruflichen Karriere „einfach mal Musik machen“ wollte.

Walter ist mit seiner Truppe am Sonntag zum ersten Mal öffentlich auch mit den Rüdershäuser Sangesbrüdern aufgetreten. „Die vier Vereine aus Herzberg, Barbis, Pöhlde und zusätzlich Rüdershausen ergänzen sich sehr gut, der eine Verein hilft mit Stimmen aus, die dem anderen fehlen.“ Bei aller Harmonie stellt Gerhard Walter jedoch klar: „Wir werden nicht fusionieren“. Die Chorgemeinschaft zählt nach wie vor zu den größten Männerchören der Region mit Vereinen, die schon lange bestehen. 2017 beispielsweise feierte der MGV Concordia Pöhlde von 1867 sein 150-jähriges Jubiläum.

Das Feinste: Gesang in der Kirche

Erst vier Wochen ist Fredi Steckel mit dabei, er ist in den Rüdershäuser Verein eingetreten. „Beim Teichfest haben sie mich überredet, und es macht Spaß.“ Bereits sein Vater hat bei den Rüdershäusern gesungen; es gehört bei Steckel beinahe zur familiären Tradition.

Als Vorsitzender im MGV Herzberg ist Bernhard Beckmann selbstverständlich mit von der Partie. „Singen ist das Leben“, sagt er voller Stolz. Seit 48 Jahren ist Beckmann Mitglied im Verein und weiß aus Erfahrung: „In der Kirche zu singen, das ist vom Feinsten.“

Die Sänger treten ehrenamtlich bei Veranstaltungen in der Region auf. Sie gratulieren auf Wunsch 90-jährigen Geburtstagsjubilaren mit einem Ständchen, und bereichern darüber hinaus Feiern, für die sie gebucht werden.

Nicht nur das gemeinschaftliche Singen gefällt den Männern. Es ist auch das kameradschaftliche Miteinander, welches den Chor formt. Interessierte, auch aus anderen Nachbarorten, sind herzlich eingeladen, an den Übungsabenden teilzunehmen.

Von Markus Hartwich